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Rechtsrock in Leipzig |
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Im Jahr 1992 konnte man verstärkt beobachten, daß viele Nazi-Skins kein richtiges Interesse an kontinuierlicher rechter Parteiarbeit hatten. Zunehmend verstanden sie sich als einen Teil einer rechten Subkultur, die sich vor allem, neben der obligatorischen Auseinandersetzung mit linken Jugendlichen und Überfälle auf nicht in ihr Weltbild passende Menschen, durch Konzerte und Fanzines auslebte. Bei den Konzerten, die mal legal, mal illegal getarnt als Geburtstagsfeiern stattfanden, konnten sich die Besucher mit ihrem Arm-in-die-Luft-halten und "Heil Hitler"-Gebrülle ohne strafrechtliche Konsequenzen austoben. Die Medien taten ihr übriges, um die rechte Subkulturszene zu hypen. Gerade in den Jahren 1992/93 berichteten die Medien fast täglich über rechte Bands und Konzerte und die dadurch einen gewaltigen Popularitätsschub erhielten. Der Rechtsrockmarkt boomt seit dieser Zeit und die Bands und Gruppen schossen wie Pilze aus dem Boden. Die Mitglieder dieser Rechtsrockbands stammen meist aus lokalen Faschoszenen oder früheren Mitgliedern faschistischer Parteien. In den letzten zurückliegenden Jahren bemüht sich die NPD/JN (mit Erfolg) dieses Klientel für ihre Parteiarbeit zu nutzen. So werden Konzerte ausgerichtet und nicht selten treten Fascho-Bands im Rahmen von NPD/JN-Veranstaltungen auf. Auch der Parteiversand von der NPD und DVU hat sich mittlerweile auf die große Nachfrage nach der Nazimusik eingestellt und bietet verschieden Gruppen feil.
Einer der ersten Nazibands aus der Region Leipzig ist Kroizfoier aus Zwenkau südlich von Leipzig. Kroizfoier gründete sich Anfang 1991 und brachte ein Demo-Tape mit dem Titel "Komm zu uns" heraus. Im Juli 1992 brachte man die Platte "Ziel erkannt" bei dem Nazilabel Skull-Records aus Bad-Überklingen heraus. Bevor die Band wegen Volksverhetzung und Aufstachelung zum Rassenhaß? im Dezember 1993 vor Gericht stand, gaben sie Konzerte unter anderem in Leipzig (bei der Geburtstagsparty von Dirk Amende ex-FAP jetzt NPD mit Oistar Proper/Leipzig und Oithanasie/Gera), Zwickau und Cottbus. Die Mitglieder der Band wurden verurteilt und nach der Verurteilung wurde es ruhig um die Band. Mit Kroizfoier hatte Oistar Proper ihren ersten Auftritt im Januar 1993 in einer Gartenkneipe in Leipzig-Großzschocher. Dieses Konzert war eines der ersten R.A.C.- Konzerte (Rock Against Communism) in Leipzig. Gegründet hat sich die Band 1992 und kurz vor den Aufnahmen der ersten CD flogen sie aus dem Proberaum. Daraufhin benutzen sie den Proberaum von der Fascho-Band Toitonen (weiter hinten beschrieben) in dem Jugendclub "Völkerfreundschaft" . Schlagzeuger bei der Band war der damals einschlägig bekannte Nazischläger Danny J., die Gitarre zupfte Marcus W., der unter anderem bei einem Überfall auf das Makranstädter Flüchtlingsheim im August 1992 beteiligt war. Die erste CD "Mach dein Ding" erschien ebenfalls bei Skull-Records und nach deren Veröffentlichung im November 1993 bekam die Band vom einem Scheuermittelhersteller eine einstweilige Verfügung auf Unterlassung, da der Name einem Name eines Reinigungsmittel sehr ähnlich war. Mit der zweiten CD "Skinhead" hießen sie nur noch Oistar P. und der Bassist flog aus der Gruppe. Bei der dritten CD "Der Kampf geht weiter" wurde Oistar Proper von Skull-Records eigenmächtig in Stahlkroiz umbenannt. Das Label zog die Band richtig über den Tisch, denn auf Vergütung aus CD- und T-Shirt-Verkäufen warten die Bandmitglieder immer noch. Nach einem Konzert in Leipzig trennte die Naziband sich.
Ebenfalls 1992 entstand die Band Toitonen. Die Mitglieder der Band stammen alle aus dem Umfeld der Völkischen Front und der FAP. Basser Sven D. (1990 kurzzeitig in der DVU) und der im Juli 1994 bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommene Gitarrist Alexander M. waren in der Völkischen Front aktiv, D. stand als einziger im Adressenbuch von Michael Kühnen, einer der führenden Nazis der achtziger und Anfang neunziger Jahre. Die anderen Toitonen-Mitglieder waren Andre E., Daniel W. und Andre R. (später Oiphorie, jetzt Solution - weiter hinten im Text). Das erste Demo-Tape erschien im März 1993, wenig später wurde die CD "Walhalla ruft" (was für einen Wirklichkeit wurde) aufgenommen und über das Label E.S.V. vertrieben. Alle Fünf standen wegen Überfälle auf Asylbewerberheime (August 1992), Ausländer (Mai 1992) und Linke und wegen Volksverhetzung vor Gericht. R. sang in dem Doku-Film "Glaube, Liebe, Hoffnung", in dem die Band bei Proben zu sehen ist, ein Lied zur Gitarre, in dem er Linke und Ausländer ins Gas schickt - was ihm eine Verurteilung einbrachte. Kurz nach der Veröffentlichung der CD wurde in den Proberaum eingebrochen und das ganze Bandequipment geklaut. Sie nahmen noch drei Lieder für ein Demo-Tape auf, danach trennten sie sich.
Eine unbedeutende Rolle nahm Askanier ein. Zu Konzerten oder CD-Veröffentlichung kam es nicht, weil der Sänger Peter K. zu einer Gefängnisstrafe unter anderem wegen Körperverletzung verurteilt wurde und die Band sich auflöste. Aber es entstand ein Demo-Tape mit grauenhafter ufta-ufta-Musik und wurde nie veröffentlicht. Der Gitarrist stieg später bei Schwurbrüder ein, ein anderes Bandmitglied (Linse) ist jetzt bei Solution. Einen größeren Bekanntheitsgrad erlangte Oiphorie, die sich 1994 gründeten. Andre F. und Wal spielten vorher bei Volkssturm, Andre R. bei den Toitonen. Den Proberaum teilte man sich mit Störenfried aus Schkeuditz. Noch 1994 erschien das erste Demo-Tape und auf dem Sachsensampler (1996) sind sie neben den Gruppen Die Weißen Riesen und Auf Eigene Gefahr (AEG) zu hören. Im gleichen Jahr erschien ihre CD "Was geht uns das an?" mit zehn Liedern bei DIM-Records. Oiphorie spielte auf unzähligen Konzerten, wie z.B. in Leipzig, Zwickau, Dresden und im Muldentalkreis, und 1997 löste sich die Gruppe auf. F. spielt seitdem bei der Oi!-Band Standart 84 und R. gründete im selben Jahr Solution.
Aus Schkeuditz bei Leipzig stammt Störenfried. Ein Bandmitglied (Korti) spielte vorher bei Stahleemer, ein anderer bei Solution. Das Demo-Tape wurde 1996 eingespielt und es wurden ein paar Konzerte gegeben. Im selben Jahr stritt man sich mit Oiphorie, so daß die Band aus dem Proberaum flog. Teilweise wurden die Proben nach Hause oder nach Gera verlegt, bis ein Bandmitglied (Kuggi) wegen mehrere Delikte wie Körperverletzung in den Knast wanderte. Praktisch existiert Störenfried seit diesem Zeitpunkt nicht mehr. Am 28.Juni letzten Jahres spielten in Leipzig/Leutzsch Leipziger Fascho-Bands, die sich in den letzten Jahren gegründet haben - Odessa, Reichssturm, Ostara und Schwurbrüder. Ostara ist eine Mädchen-Band aus dem Grünauer Jugendklub "Kirschberghaus". 1995 entstand die Band Odessa, die sich nach einer Nachkriegsorganisation von SS- und Wehrmachtsangehörigen benannt haben - in einer der Ausgaben des Nazi-Fanzine A.f.D. (Alles für Deutschland) liest es sich wie folgt: "Wir wollten eigentlich mit dem Namen unsere Ehrfurcht gegenüber diesen Kämpfern zeigen. Weil wir auch von der Arbeit dieser Organisation sehr fasziniert waren." Mittlerweile hat die Band knapp 15 Auftritte hinter sich, unter anderem mit Chaoskrieger und Zensur in Leipzig und ein Demo-Tape wurde im Proberaum aufgenommen. Odessa besteht aus vier Bandmitglieder zwischen 18 und 28 Jahren, einer von ihnen ist in der NPD aktiv. Der Proberaum von Odessa befand sich im Kirschberghaus in Leipzig/Grünau, in dem ebenfalls Reichssturm geprobt haben. Odessa mußte sich dem Druck des Jugendamtes und der Hausleitung beugen, nachdem diese Hinweise erhielten, daß es sich bei Odessa doch "irgendwie eindeutig" um eine Nazi-Band handelt: die oben erwähnten Quellen sprachen wohl für sich. Reichsturm, die eine CD aufgenommen haben, gibt es mittlerweile nach Streitereien innerhalb der Band nicht mehr. Einige Mitglieder stiegen bei anderen Gruppen ein. Ebenfalls in Leipzig-Grünau, im Jugendclub Völkerfreundschaft, probt die relativ junge Band Stroifoier. Die Band Schwurbrüder gründete sich 1996 als Nachfolgeband von Oistar Proper. Neben einigen Auftritten in Sachsen und Thüringen, u.a. mit Sturmtrupp und Faustrecht. Im Frühjahr diesen Jahres wurde ein Demo-Tape aufgenommen und 1999 ist eine CD in Planung. Alle drei Bands, gerade Odessa, haben sehr gute Kontakte zur Muldentaler Naziszene. Zu den neueren rechten Bandprojekten zählt Solution, die im Januar 1997 sich gründeten. In der Anfangsformation waren Andre R. (Toitonen, Oiphorie), Rudi (Oiphorie) und jeweils ein Mitglied von Störenfried und Askanier. Neben einigen Auftritten entstand das Demo-Tape mit dem selben Titel wie der Name der Band "Solution". Ende letzten Jahres lösten sie sich auf, um sich mit dem Jahr 1998 neu zu formieren. Zwei Mitglieder stiegen aus und zwei von der Band Stahleemer und ein neuer Basser stiegen ein. Bis August diesen Jahres hatte die Band ihren Proberaum in den von der Arbeiterwohlfahrt betriebenen Jugendclub "Kugel". Seit geraumer Zeit ist diese Band mit einer eigenen Homepage im Internet vertreten.
Quelle: Frente 2000 (antifaschistische Zeitschrift aus Leipzig; die Webseite dazu wurde stillgelegt)
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